Kurze Geschichte des Warschauer Aufstandes 1944
Die Stadt Warschau wurde durch den größten Fluss Polens – Wisła (Weichsel) auf zwei Teile verteilt. Am ihren rechten Ufer liegt der Stadtviertel namens Praga. Die Mehrheit von den Stadtvierteln befindet sich aber am ihren linken Ufer. Sie heißen: Wola, Żoliborz, Stare Miasto (Altstadt), Śródmieście Północne i Południowe (Nordzentrum und Südzentrum), Ochota, Mokotów, Powiśle und Czerniaków.
Die damals wunderschöne Stadt wurde vor dem II. Weltkrieg sogar Paris des Nordens genannt. Auf ihren Strassen pulsierte das Leben. Im Jahre 1939 zählte die Hauptstadt Polens rund 1.289.000 Einwohner, davon circa 32% bildeten die Juden.
Am 1. September 1939 wurde Polen durch die Nazis angegriffen. Der II. Weltkrieg fing an. Am 17. September 1939 wurde Polen vom Osten durch den anderen Agressor, die Sowjetunion, angegriffen. Am 27. September 1939 kamen nach der dreiwöchigen Verteidigung die Deutschen in Warschau hinein. Das 6-jährige düstere Periode der Okkupation fing an.
Bereits ab Herbst 1939 begannen die Nazis die Warschauer Bevölkerung, und vor allem die Inteligenzkreise systematisch auszurottern. Die Inteligenz wurde durch das Gestapo oftmals verhaftet, vobei die Nazis dazu vorher vorbereitete Listen benutzten. Die Verhafteten wurden in Gefängnisse gebracht, in die Konzentrationslager geschickt oder innerhalb zahlreicher Exekutionen unter anderen in Palmiry bei Warschau (Urwaldgebiet Puszcza Kampinowska) füsiliert. Seit dem Jahre 1942 vergrößerte sich die Zahl den Massenexekutionen seitens der Nazis. Viele Menschen wurden sowohl in die Konzentrationslager als auch zu den Zwangsarbeiten in das III. Reich geschickt. Aufgrund der Aktionen sank heftig die Bevölkerungszahl der Hauptstadt.
Im Oktober 1940 wurde ein Teil der Innenstadt abgesondert. Dort entstand das mit einer Umfassungsmauer hermetisch abgerigelte Ghetto, wohin die Juden, die in Warschau oder in seiner Umgebung wohnten, deportiert wurden. Die jüdische Bevölkerung wurde gnadenlos ausgerotet. Im April 1943 wurde die entgültige Liqudation des Ghettos durchgeführt, die mit einem Aufstand im Ghetto endete. Der Aufstand brach am 18. April 1943 und dauerte bis zum 8. Mai. Einigehundert jüdischen Kämpfer nahmem einen ungleichen, hoffnungslosen Kampf mit den SS-Abteilungen auf. Im Warschauer Ghetto wurden 370.000 der polnischen Juden entweder an Ort und Stelle ermordert oder in de iKonzentrationslager abtransportiert. Nach dem Sturz des Aufstandes wurde sein Gelände zu Schutt und Asche gebracht.
Ab der Kapitulation der Hauptstadt im September 1939 entstanden in Warschau geheime Widerstandsstrukturen. Als Staat unterzeichnete Polen gegenüber dem III. Reich keine Kapitulierungsakte. Die polnische Regierung verließ das Land und nahm ihre Tätigkeit im Exil über. In Frankreich und Großbritannien wurden polnische Truppenteile gegründet. Im Lande entstanden bewaffnete Geheimorganisationen wie POZ (Polska Organizacja Zbrojna – Polnische Streitorganisation), ZWZ (Związek Walki Zbrojnej - Verband für den bewaffneten Kampf), die 1942 in die AK (Armia Krajowa – Polnische Heimatsarmee) verwandelt wurden, welche dann der polnischen Exilregierung in London unterstand. Zwischendurch griffen die Nazis im Juni 1941 die UdSSR an, die damit zu Verbündeten der Westmächte wurde.
1944 wurde Warschau und seine Umgebung auf VII Bezirke der Heimatsarmee verteilt, in welchen organisierte Strukturen der Geheimarmee tätig waren. Im Osten stand die Rote Armee einige hundert Kilometer vor Warschau. Die Nazis befanden sich auf dem Rückzug und flogen durch Warschaus Straßen vor den nahenden sowjetischen Truppen. Es war soweit. Man vermutete, dass die Sowjeten bald ankommen. Die Heimatarmee sah ihre Chance gekommen und bereitete sich auf einen Angriff auf die deutschen Besatzer vor. Der Oberbefehl der Heimatarmee traf die Entscheidung, der Warschauer Aufstand sollte ausbrechen. Die Aktion hatte zu Ziel mit den Nazis den Kampf aufzunehmen, was den Sowjeten helfen sollte, Warschau zu erobern sowie danach die Macht durch die polnischen Administrationsstrukturen zu übernehen.

Bezirke der Heimatsarmee in Warschau
Am 1. August 1944, um 17.00 brach der Warschauer Aufstand aus. Zum Kampf standen circa 50.000 Aufständischen der Heimatsarmee, die in Vereinen, Batalionen und andere Streitkräften sowie einige Untergrundorganisationen inklusiv prokomunistische Volksarmee organisiert wurden. Bedauerlicherweise waren die Aufständischen sehr schlecht ausgerüstet. Die Schwierigkeiten, die geheimen Waffenlager zu erreichen, verursacheten, dass beim Aufstandsausbruch den Soldaten lediglich 40% von ihren, sowieso bescheidenen Vorräten zur Verfügung standen. Nach den dokumentierten Quellen verfügten die polnischen Soldaten über:
1.000 Karabinen
300 Maschinenpistolen
60 leichte Maschinengewehre
7 schwere Maschinengewehre
35 Panzerabwehrbüchsen und PIAT’s (englische Panzerschrecke)
1.700 Pistolen
25.000 Granaten
Die Munitionsvorräte wurden für einige Tage vorgesehen.
Das bedeutete in der Praxis, dass nur der jede 10 Aufständische irgendwie ausgerüstet war. Andere konnten auf eroberte oder von Gefallenen übernomene Waffen zählen.
Dem Gegner stand circa 50.000 deutschen Soldaten, SS-Männer, Polizisten, sowjetischen und asiatischen Renegaten sowie zahlreiche Waffen zur Verfügung. Er verfügte über Tanke, Flugzeuge, Panzerzüge, Alltirerie, Minenwerfer und viel Maschinengewehr.

Warschau in der ersten Wochen des Kampfes
Von den ersten Augusttagen trugen sehr schwere Kämpfe in dem westlichen Stadtviertel Wola aus. Die deutschen Truppen, mit Tankern verstärkt, drängten die Aufständischen richtungs Zentrum und Altstadt zurück. Gleichzeitig nahmen die Nazis eine Massaker bei der Zivilbevölkerung auf. Innerhalb von einigen Tagen ermorderten die deutschen Soldaten zusammen mit den russischen und asiatischen Renegaten circa 50.000 Zivilen, Männer, Frauen und Kinder. Am 11. August 1944 fiel Wola.
In Ochota, der mit Wola vernachbart war, trugen die Kämpfe in abgesonderten Widerstandorten aus. Zwei Wochen lang leisteten die viel schlimmer ausgerüsteten Aufständischen ihren Widerstand gegen die bedrängten deutschen Abteilungen. Am 11. August fiel auch Ochota. Die Kämpfe ermöglichten den Aufständischen aus anderen Stadtvierteln sich besser auf die Verteidigung vorzubereiten.
Das Kampfgewicht wurde in die östlichen Richtung verschoben. Nachdem der Widerstand in Wola und Ochota liqudiert und die Verkehrswege auf der Weichsel erobert worden waren, trennten die Nazis das Zentrum von Altstadt ab. Seit dem 12. August 1944 fangen sehr schwere Kämpfe um den Stadtviertel an. Hier kämpften die ausgezeichneten Batallionen aus Wola sowie die altstädtische Abteilungen. Da waren tausende heldenhafter Soldaten. Sie wurden auf einer kleinen Fläche abgeschlossen, aus Kanonen beschlossen, aus der Luft mit Bomben belegt. Trotzdem standen sie Tag nach dem Tag auf ihren Posten. Man versuchte die Truppen vom Norden, seitens Żoliborz zu entsatzen und sich mit den Abteilungen vom Zentrum, von der südlichen Seite zu verbinden. Leider brachten diese Tätigkeiten kein wesentliches Ergebnis mit.

Die Kanalroute Altstadt-Zentrum

Warschauer Altstadt aus der Vogelschau

Nach dem Sturz von Wola und Altstadt
Die weiteren Angriffe der Nazis betraffen Czerniaków. Am 15. September versuchte man aus dem rechten Weichselufer mit dem Truppenlanden. Es beteilgten sich dabei die Soldaten der Polnischen Armee, die 1943 in der Sowjetunion entstand und an der Seite der Roten Armee kämpfte. Zwei Batallionen durchquerten die Weichsel, um zusammen mit den Aufständischen den Widerstand zu leisten. Die Soldaten aus der Truppenlandung waren bedauerlicherweise an die Straßenkämpfe nicht gewöhnt und fielen massenhaft. Nach einigen Tagen wurde es klar, dass der Schicksal von Czerniaków vorgegriffen wurde. Die übriggebliebenen Aufständischen gingen mit den Kanälen in der süd-westlicher Richtung zu Mokotów durch, ein anderer Teil von ihnen versuchte die Weichsel zu passieren, um die durch die Sowjeten befreite Gebiete zu gelangen.
Als am 23. September der letzte Widerstandsposten in Czerniaków fiel, morderten wieder die rücksichtslosen Nazis alle Verletzten, sowie vergewaltigten und erschossen die Sanitäterinen. Auf einem Haken an der Mauer wurde ein Geistiger einer Abteilung, der mit den Verletzten blieb, aufgehängt.
Die schweren Kämpfe setzten sich in dem anderen Stadtviertel Mokotów fest, der sich in dem südlichen Teil Warschau befand und dauerten bis zum 27. September 1944. Die Aufständischen versuchten ihre Posten, die sie am Anfang des Aufstandes gewannen, zu bewahren. Sie zogen stufenweise zurück, aber kämpften sehr mutig. In Mokotów machten sich die Nazis mit anderen verbrecherischen Schandtaten „berühmt“. Obwohl die Nazis, unter dem Druck von Allierten in der Endphase des Aufstandes die in Warschau kämpfenden AK-Soldaten für Kambattanten hielten, ermorderten am 27. September die deutschen Gendarmen bei der Dworkowa-Strasse in Mokotow circa 120 wehrloser Aufständischen. Am 27. September kapitulierte Mokotów. Ein Teil der Verteidiger gelang es mit den Kanälen zur Altstadt zu gehen, um dort den Kampf fortzusetzen.
Am 30. September kapitulierte auch der nördliche Stadtviertel Warschau namens Żoliborz, wo die Aufständischen seit den ersten Augusttagen den effektiven Widerstand gegen die eindringenden Nazis leisteten.
In den polnichen Händen blieb lediglich das mittlere Stadtteil, von der Weichsel abgesondert und von allen Seiten durch die deutschen Truppen umgegeben. Die Warschauer Häuser wurden ein nach dem anderen zur Ruine. Es gab kein Strom, es fehlte an Trinkwasser und Lebensmittel. Aber vor allem mangelte es den Aufständischen an Munition.
Während des Aufstandes versuchten die Allierten im August und September die Aufständischen zu unterstützen. Sie warfen ihnen die Waffen und Munition ab. Das war aber unwirksam. Die Sowjeten erlaubten nicht, den amerikanischen Bombern auf ihren Flugfelder zu landen. Das bedeutete, dass die amerikanischen Flugzeuge gleich nach der Aktion zu ihren Basen nach Italien zurückkehren sollten. Es vergrößerte weiterhin Verluste bei Maschinen und Leuten. Da die Stadt auf verschieden Wirderstandsteile verteilt wurde, gelang leider die Mehrheit von den Vorräten unter die Deutsche Kontrolle.
Am 1. Oktober nahm das Oberkommando der AK Rücksicht auf die allgemeine Lage der Aufständischen und fing an, mit den Nazis über die Kapitulation zu reden. Am 2. Oktober wurde die Kapitulationakte des Warschauer Aufstandes unterschrieben. Die aufständischen Abteilungen bildeten sich am 20. September 1944 in ein regulärer Korps der Heimatsarmee um und nach dem Waffenhinlegen kamen in die Kriefsgefangenschaft in der Zahl von 15.000 Soldaten. Ein anderes Teil der Soldaten kam nicht in die Gefangenschaft und beschloss zusammen mit der Zivilbevölkerung die Untergrundtätigkeit fortzusetzen.
Der Aufstand war für einige Tage vorgesehen, aber er dauerte in der Wirklichkeit 63 Tage lang und wurde damit zu der größten Befreiungsaktion in der Geschichte des II. Weltkrieges. Obwohl die Nazis über riesige militärische Übergewicht verfügten, erlitten die deutschen Truppen große, fast 50% Schaden: 10.000 Gefallenen, 7.000 Vermissten und 9.000 Verletzten. Der Aufstand wurde mit der Stalingrad-Schlacht verglichen.
Im Aufstand fiel circa 16.000 Aufständischen und circa 150.000 der Zivilbevölkerung. Tausende wurden verletzt. Cirka 650.000 der Zivilbevölkerung wurde in den Übergangslager in Pruszków und davor 150.000 zu den Zwangsarbeiten in Deutschland, und 50.000 in die Konzentrationslager geschickt.
Heiliger Kreuz – Kirche.

Vor dem Krieg (1930)

Nach dem Sturz des Aufstandes
Bearbeitung: Maciej Janaszek-Seydlitz
Übersetzung: Małgorzata Czech
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